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Flotte weiße Mäuse



In den Niederlanden sorgten bis 1996 Straßenpolizisten in deutschen Sportwagen für Ordnung. Einer der ersten zwölf Rijkspolitie-Porsche wurde vor zwei Jahren für üppige 235.750 Euro versteigert.

 
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Wenn in Dubai mal wieder ein neues Polizeiauto zu einem Preis vorgestellt wird, der hierzulande das Jahresbudget einer ganzen Polizeiwache sprengen würde, dann ist das lange nichts Besonderes mehr. Ein Bugatti Veyron für fast zwei Millionen Euro oder ein Zur Markenseite PorschePorsche 918 Spyder für 800.000 Euro sind dort im Wüstenstaat nichts besonderes. Wenn sich jedoch unsere Nachbarn aus den Niederlanden in einem flotten Zuffenhausener auf Gangsterjagd begeben, dann ist das zumindest einen Blick wert - auch, wenn das nun schon ein paar Jahre her ist.

1996 entstieg der letzte niederländische Verkehrspolizist der Rijkspolitie seinem 964 Carrera 2-Dienstporsche mit dem Rufzeichen Alex 82. Während Deutschland die Fußball-EM in England gewann, hatten also ein paar Niederländer nicht nur mal wieder ein Viertelfinale verloren, sondern auch einen äußerst sehenswerten Arbeitsplatz. Einer der ersten von ihnen wurde am 10. Oktober 2014 für 235.750 Euro bei einer Bonhams-Auktion versteigert.

Dieses Porsche 356 B Cabriolet aus dem Jahr 1962 ist einer der ersten zwölf Dienstporsche, die 1962 der Sektion Surveillancegroep Autosnelwegen (SAS) der niederländischen Reichspolizei mit der Zentrale in Driebergen bei Utrecht zur Verfügung gestellt wurde. Das Zuffenhäuser Exemplar mit der Chassisnummer 156096 und der Motorennummer 811648 zählt heute zu den letzten drei vorhandenen Rijkspolitie-Porsche dieser Ära.

Insgesamt erhielt die SAS 40 Fahrzeuge dieses Typs. Die Zweimann-Besatzung war stets mit einem weiß-orangen Helm, einem weißen Mantel sowie weißen Handschuhen bekleidet - denn bis zu einer Außentemperatur von zwei Grad Celsius muss laut Vorschrift offen gefahren werden. Bei Nichtbeachtung folgte eine drakonische Strafe in Form von Kuchen-Mitbringen.

"Diese Männer waren die gesündesten Polizisten von allen. Es gab kaum Krankheitsausfälle", weiß Hand Blonk, der Porsche und die Reichspolizei vor über einem halben Jahrhundert überhaupt erst zusammen brachte.

Die Aufgabe der schnell als "weiße Mäuse" bezeichneten Porsche-Polizisten bestand zum größten Teil darin, die Autobahn sicherer zu machen, auf der damals kein Tempolimit galt. Schwere Unfälle waren an der Tagesordnung. 1.600 Unfälle mit tödlichem Ausgang verzeichneten die Niederlande Anfang der 60er Jahre.

Rijkspolitie Porsche, Faszination
Die Voraussetzungen, um Teil dieser Spezialeinheit zu werden, waren nicht ohne
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Nicht ohne Grund holen sich die Niederländer bei der deutschen Polizei aus Nordrhein-Westfalen Tipps, wie sie ihrer 500 Autobahn-Kilometer Herr werden konnten. 1960 fuhr der erste, 17.610 Gulden (umgerechnet knapp 8.000 Euro) teure Test-Porsche ohne Wissen des Justizministeriums in den Niederlanden Streife. Es wurden auch andere Fahrzeuge wie ein Zur Markenseite FiatFiat 124 Abarth Spider, ein Zur Markenseite Alfa RomeoAlfa Romeo 2.0 Spider oder auch ein Triumph TR6 und ein Zur Markenseite CitroenCitroën DS Chapron Cabriolet ausprobiert- doch der Porsche überzeugte.

Dem Test folgte die dann auch von höchster Stelle genehmigte Bestellung des ersten flotten Dutzends.

"Die damals eingesetzten Alfa Romeo überhitzten regelmäßig beim Rückwärtsfahren auf der Autobahn. Der luftgekühlte Heckmotor des Porsche hatte damit keine Probleme", erzählt der 84-jährige Blonk, der zusammen mit elf Vertretern der niederländischen Polizei die dienstbereit ausgestatteten Vierzylinder aus Deutschland abholte.

Ein spezieller Kabelbaum für die Ansteuerung der Sirene, des Blitzlichtes und der Kontrollleuchten sowie ein neues Armaturenbrett wurden im Werk montiert. Zudem wurde das Handschuhfach vergrößert, um für den Polizeifunk Platz zu schaffen. Am Heck des Porsche wurden ein Stop-Schild und an einer speziellen Targa-Halterung das Blaulicht installiert.

Bevor die weiß-orangen deutschen Sportwagen im Dienste der niederländischen Polizei auf die Autobahn gelassen wurden, musste aber erst noch eine Elitetruppe geformt werden. Die Voraussetzungen, um Teil dieser Spezialeinheit zu werden, waren nicht ohne. Dass gute Fahrkünste und Verkehrserfahrungen vorhanden sein mussten, ist klar. Zudem sollten die Anwärter über eine sehr gute körperliche Verfassung verfügen und mindestens 25 Jahre alt sein.

Damit nicht genug:. Sie mussten außerdem verheiratet sein und sollten vorzugsweise Kinder haben - das, so hoffte man, werde eine verantwortungsbewusste Fahrweise fördern und unnötige Risikobereitschaft ausschließen.

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Ihre mit Alex beginnenden Rufzeichen verdankten die Fahrzeuge der Alexander-Kaserne in Den Haag
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Was nicht heißt, dass es keine Verfolgungsjagden gab. 1984 sorgt Formel 1-Pilot Jan Lammers in seinem Alpine Renault A 310 zumindest für die Bekannteste von ihnen. Erst als ihn ein Lkw stoppte, gelang es der Polizei, ihn zu stellen. Der Führerschein war weg. Allerdings gewann der Raser noch im selben Jahr sein erstes großes Rennen in der Gruppe C. Und nein, nicht mit einem Renault, sondern mit einem Porsche.

Das versteigerte Fahrzeug mit dem Rufzeichen Alex 2707 wurde am 21. März 1962 von Pons Automobielhandel ausgeliefert und während seiner vierjährigen Dienstzeit von den beiden Elite-Polizisten Van Rijn und De Steen geführt. Ihre mit Alex beginnenden Rufzeichen verdankten die Fahrzeuge der Alexander-Kaserne in Den Haag.

Während seiner vier Dienstjahre auf den Autobahnen 2, 26, 4 und 4a legte Alex 2707 fast 200.000 Kilometer zurück und bekam zwischendurch einen neuen Motor verpasst. Am Ende seiner Laufbahn als Einsatzwagen wurden ihm sein Blaulicht, sein nach hinten ausgerichteter Lautsprecher, zwei Innenrückspiegel, ein großes Stop-Signal, Funk und weitere Polizei-Ausrüstungsgegenstände entfernt und er wurde als normaler Porsche 356 verkauft. Laut Aufzeichnungen ist davon auszugehen, dass er nie die Niederlande verlassen hat.

Den insgesamt 40 Porsche 356 Cabriolets folgten Mitte der 1960er Jahre die ersten 911er nach Driebergen. Die Targas verfügen über einen 2,0 Liter großen Motor. Auf sie folgten 2.2 und 2.4 Modelle und das G-Modell mit einem 2,7 Liter großen Motor im Jahre 1974. 1978 rollte der 3.0 SC und 1984 der 3.2 Carrera Targa mit 231 PS zur Rijkspolitie. Sechs Jahre später fuhr der 964 Carrera 2 mit einem 3,6 Liter großen Motor auf den Polizeihof - zu Beginn als Targa, später als Cabrio.

Zwischendurch fuhr die niederländische Spezialeinheit auch noch die Porschemodelle 912, 914/4, 914/6 und einen wassergekühlten 924 mit T-Dach. Insgesamt umfasst die Rijkspolitie-Porsche-Flotte im Laufe der 34 Jahre ungefähr 507 Fahrzeuge. Die Rijkspolitie ist damit bis heute der größte Porsche-Flottenbesitzer in der Geschichte der deutschen Sportwagenmarke.

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Fotos: Hersteller Rijkspolitie Porsche http://goo.gl/GcfYMZ

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