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Toroidion 1MW  Faszination: Toroidion 1MW

Der blaue Blitz



Was ist schon der Spurt von 0 auf 100? Der Toroidion 1MW rast in gerade mal elf Sekunden bis Tempo 400. Das finnische Elektroauto hat aber noch viel mehr zu bieten als puren Vorwärtsdrang.

 
 Toroidion 1MW
  
 Toroidion 1MW  - Foto: Hersteller  Toroidion 1MW - Foto: Hersteller  Toroidion 1MW - Foto: Hersteller  Toroidion 1MW - Foto: Hersteller  Toroidion 1MW - Foto: Hersteller  Toroidion 1MW - Foto: Hersteller

Da muss der Amtsschimmel bei der Fahrzeugzulassung erst einmal passen. Denn das Feld, in dem bei der Zulassungsbescheinigung die Leistung eingetragen wird, hat nur Platz für drei Ziffern. Der neue finnische Supersportwagen Toroidion 1MW aber braucht - genau wie ein Koenigsegg One:1 oder ein Bugatti Veyron eine Stelle mehr. Er kommt auf genau 1.360 PS oder 1.000 kW. Per Hand die zusätzliche vierte Ziffer nachzutragen, dürfte bei der ersten Verkehrskontrolle gar nicht so gut ankommen.

Der Unterschied zwischen dem schwedischen Koenigsegg und dem finnischen Toroidion liegt allerdings im Ursprung der Leistung. Denn während bei dem Schweden ein fünf Liter großer Benzinmotor für die Kraftentfaltung sorgt, ist es beim Toroidion purer Strom. Der Vorteil ist auf der Stoppuhr abzulesen: Während der Treibstoff verbrennende Schwede rund 20 Sekunden zum Zieltempo sprintet, steigt der Stromerfahrer schon wieder aus - er braucht nur elf Sekunden. Das Zieltempo beträgt nicht gemütliche 200 oder langweilige 300, sondern atemberaubende 400 km/h. Und das Beste: Der Finne könnte noch 50 km/h drauflegen ...

Die Reichweite des mit zwei je 200 Kilowatt starken Front-Rad-Motoren und zwei je 300 Kilowatt starken Heck-Rad-Motoren ausgestatteten Finnen soll über 500 Kilometer betragen. Seine vier Kühler für die vier Motoren haben so viel zu tun, dass sie noch lange nach dem Abstellen des Wagens wie eine Straßenbahn surren. Damit die aufgebaute Allrad-Energie auch wieder abgebremst werden kann, steht eine Carbon-Keramik-Bremsanlage parat.

Schöpfer des ein Megawatt starken Toroidion 1MW aus Raasepori in Finnland ist Pasi Pennanen. Der Mittvierziger ist schon von klein auf mit dem Auto-Virus infiziert. Mit acht Jahren hat ihn der Virus erwischt: Er sah den Film Le Mans mit Steve McQueen. Seit dem drehte sich bei ihm alles nur noch um Autos, Autos und noch mehr Autos.

Im Laufe der Jahre wurde aus seiner Besessenheit sein Job. Er entwickelte zwanzig Jahre lang Konzept- und Serienfahrzeuge für die Marken Jaguar, Honda und Zagato. Wobei ihm ein ständiger Traum im Hinterkopf blieb: Die Entwicklung eines eigenen Autos. Und genau dieser Traum wurde vor acht Jahren zum ersten Mal in kleinster Runde besprochen. Aber es sollte nicht irgendein Auto sein, es sollte ein Auto sein, "das die Welt verändert."

Toroidion 1MW, Faszination
"Arbeitsstunden und die dazugehörigen Gesetze sind Gewerkschaftserfindungen"
Toroidion 1MW, Faszination

Aus diesem Grund wurde 2011 die Marke Toroidion gegründet - mit dem Ziel "ein Elektroauto auf die Räder zu stellen, das die 24 Stunden von Le Mans gewinnen kann", sagt CEO und Chefdesigner Pennanen. Der Name Toroidion setzt sich zusammen aus den Worten Toroidion und Ion, also den Begriffen für ein rettungsringförmiges, mathematisches Objekt und ein elektrisch geladenes Atom.

Dass solch ein ambitioniertes Ziel nicht in der Kneipe definiert wurde, sondern am Computer in Excel-Tabellen, klingt nur anfangs seltsam. "Nach zahllosen Berechnungen haben wir unsere größte Frage - zumindest schon mal theoretisch - beantwortet: Ja, man kann Le Mans mit einem Elektroauto gewinnen!"

Herausgekommen ist mit dem 1MW das leistungsstärkste Elektrofahrzeug der Welt. "Dieses Fahrzeug könnte vieles verändern, ähnlich wie das iPhone in der Handyindustrie oder das erste Auto in Zeiten von Pferdefuhrwerken. Es wird nichts mehr so sein, wie zuvor", schwärmt Pasi Pennanen.

Vier Jahre hat die Entwicklung des Ein-Mega-Watt-Boliden gedauert. "Arbeitsstunden und die dazugehörigen Gesetze sind Gewerkschaftserfindungen", sagt Pennanen: "Es kann nichts Großes und schon gar nichts Neues erfunden werden, wenn sie darauf Rücksicht nehmen.".

Dass bei solch einem Projekt völliges Stillschweigen verordnet wurde, kommt nicht von ungefähr. "Ich habe vieles in der Automobilindustrie gelernt. Die Vorteile einer sorgfältigen Geheimhaltung zum Beispiel. Nicht einmal per Mail durfte über dieses Fahrzeug kommuniziert werden", sagt Pennanen.

Zwischen 1,5 und 3,5 Millionen Euro kostet der Bolide je nach Ausstattung. Wer ihn bestellt, muß zwei Jahre warten und eine Anzahlung in Höhe von 50 Prozent leisten. Aber dann bekommt er mehr, als die pure Kraft. Das selbsternannte Hypercar hat sogar einen Kofferraum von 500 Litern Fassungsvolumen, ein Antidiebstahl-GPS-System und ein höhenverstellbares Fahrwerk.

Toroidion 1MW, Faszination
Vom Cockpit aus entriegelt der Fahrer per Knopfdruck die Arretierung und die neue Batterie kann schnell nachgeschoben werden
Toroidion 1MW, Faszination

Die Ventilation für den Innenraum wird per Solarenergie angetrieben und auf Wunsch stehen sogar eine Klimaanlage sowie eine leichte Panzerung nach STANAG Level 1 zur Verfügung. Wer mit dem 860 Kilogramm leichten und 4,32 Meter langen Sportler auf die Rennstrecke will, für den stehen zusätzlich ein FIA-zugelassener Käfig, ein spezielles Aerodynamik-Kit, beleuchtete Startnummern und Rennstreifen zur Wahl.


Toroidion 1MW Concept car - Video: Toroidion

Besonders stolz ist Pennanen auf die Batterietechnik, mit der er laut eigener Aussage "in keiner Konkurrenz zu Tesla" steht. Denn "die machen was anderes als wir. Wir haben alle traditionellen Probleme gelöst, denen ein Elektroauto heute gegenübersteht. Diese Probleme sind die Reichweite der Batterie und ein zu langsamer Batteriewechsel."

Der für den Rennsport entwickelte Toroidion 1MW mit seinen auffallenden Flügeltüren lässt sich in kürzester Zeit mit einer neuen Batterie ausstatten. Vom Cockpit aus entriegelt der Fahrer per Knopfdruck die Arretierung und die neue Batterie kann schnell nachgeschoben werden. "Diese Technik lässt sich auch auf kleinere Fahrzeug, LKW oder auch Motorräder übertragen. Sogar im maritimen oder im Luftfahrt-Bereich ließe sich diese Technik anwenden", schwärmt Pennanen.

So ganz neu ist dieses Konzept allerdings nun doch nicht. Das vom Ex-SAP-Manager Shai Agassi 2007 gegründete Unternehmen Better Place hatte genau das auch schon mal versucht im Markt zu etablieren. Doch trotz der Unterstützung etwa durch Renault-Nissan musste Better Place 2013 Insolvenz anmelden.

Einen Fan haben Pennanen und sein 1MW immerhin schon: Fürst Albert II von Monaco. Fünf Minuten lang hat sich das Oberhaupt der Familie Grimaldi bei der Weltpremiere des Toroidion 1MW im Cockpit des blauen Blitzes über das Fahrzeug informiert.

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Fotos: Hersteller

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