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Faszination  Faszination: Lamborghini Sesto Elemento

Radikalkur



Moderne Sportwagen leiden oft an Verfettung, dabei ist auf dem Asphalt gerade das Gewicht entscheidend. Das Show Car Sesto Elemento hat trotz V10-Motor und Allradantrieb nur 999 Kilo.

 
 Lambo Sesto Elemento
  
 Lambo Sesto Elemento  - Foto: Hersteller  Lambo Sesto Elemento - Foto:  Lambo Sesto Elemento - Foto: Hersteller  Lambo Sesto Elemento - Foto:  Lambo Sesto Elemento - Foto:  Lambo Sesto Elemento - Foto: Hersteller

Die Automobilindustrie hat sich in eine verhängnisvolle Spirale hineingefressen: Die Autos werden immer schwerer und erfordern immer mehr PS, um noch die gewünschten Fahrleistungen zu erreichen. Seit einiger Zeit ziehen aber vor allem Sportwagenhersteller an der Notbremse. Abspecken ist angesagt. Italiener waren ja schon immer schlanker als ihre europäischen Nachbarn, doch bei Lamborghini in Sant’Agata Bolognese haben die Ingenieure ihr neues „Baby“ auf eine Radikaldiät gesetzt.

Der Lamborghini Sesto Elemento (zu Deutsch: Sechstes Element) wiegt nur 999 Kilo – 340 Kilo weniger als ein Gallardo LP 570-4 Superleggera - und hat dank seiner 570 Pferdestärken ein Leistungsgewicht von 1,75 Kilogramm pro PS. Die Fahrleistungen sprechen für sich: Gerade einmal 2,5 Sekunden vergehen, bis der radikale Lambo aus dem Stand Tempo 100 erreicht.

Das Geheimnis seiner Diät erklärt auch gleich den Namen des Wagens. Das sechste Element im Periodensystem der Elemente, das manche noch aus dem Chemieunterricht kennen dürften, ist Kohlenstoff. Und die kohlenstofffaserverstärkten Kunststoffe sind es, die den Lamborghini im Vergleich zu einem gewöhnlichen Sportwagen so leicht machen. "Der Sesto Elemento zeigt, wie die Zukunft der Supersportwagen aussehen kann – extremer Leichtbau kombiniert mit extremer Leistung ergibt extrem großen Fahrspaß", sagt Lamborghini-Chef Stephan Winkelmann.

Die italienische Sportwagenschmiede des VW-Konzerns profitiert dabei nicht zuletzt vom Know-how der Schwestermarke Audi in Sachen Leichtbau. Die Fahrgastzelle des Sesto Elemento wurde als Monocoque-Konstruktion gefertigt. Sogar Teile der Radaufhängung und die Felgen bestehen aus Kohlefaser. Sie geben den Blick frei auf die Hochleistungs-Bremsanlage, die natürlich mit Karbon-Keramik-Scheiben bestückt ist.

Angetrieben wird der Sesto Elemento vom gewohnten V10-Motor mit 5,2 Litern Hubraum, 570 PS und einem maximalen Drehmoment von 540 Newtonmetern bei 6500 Touren. Die Antriebskraft wird mit Allradantrieb samt Visco-Kupplung und Sperrdifferenzial auf den Asphalt gebracht. Die Abspeckkur kommt natürlich auch dem Verbrauch zugute, konkrete Angaben dazu haben die Italiener noch nicht gemacht. Das gleiche gilt für die Höchstgeschwindigkeit, die aber laut einer Pressemitteilung des Unternehmens "sehr deutlich über 300 km/h" liegt.

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Frugales auch im Innern
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Der Sesto Elemento wurde mit einem matt schimmernden Klarlack bestrichen, die Kohlefaser-Struktur bleibt überall erkennbar. Trotzdem ist der Sesto Elemento nicht nur schwarz: Für die Endfertigung der Kohlefaserteile wurde eine spezielle Lackierung entwickelt. Nano-Technologie ermöglicht das Beimischen von feinen Kristallen, die rot schimmern und besonders widerstandsfähig sein sollen. Die scharfkantige Karosserie des Sesto Elemento erinnert an den Lamborghini Reventon, ist aber mit vielen Falzen, Ecken und Trapezformen noch extremer ausgeführt.

Als wiederkehrendes Designmotiv taucht das Dreieck auf, das sich sogar an den Türgriffen findet. Der teilweise doppelbödige Frontspoiler ist weit nach vorn gezogen, was den Eindruck eines Stealth-Bombers auf Rädern verstärkt. Front und Heck des aggressiven Straßen-Renners sind jeweils aus einem Stück gefertigt, auch das wird erst durch die Kohlefaser-Technologie möglich.

Seine strenge Diät führt der Lamborghini im Cockpit fort. Auf ein herkömmliches Sitzgestell zum Beispiel hat man komplett verzichtet. Die Sitzkissen sind direkt auf dem Kohlefaser-Monocoque befestigt. Verkleidungen im klassischen Sinn sucht man an Bord des Sesto Elemento ebenfalls vergeblich. Selbst die Steuergeräte der Motorelektronik sind offen sichtbar, um den puristischen Charakter des Autos zu unterstreichen.

Ob und in welcher Form der extreme Lamborghini in Serie geht, steht in den Sternen. Es sieht jedoch danach aus, dass die Sportwagenbauer ernsthaft alte Tugenden wieder entdecken und den Teufelskreis des Übergewichts durchbrechen wollen – und damit der puristische Fahrspaß wieder in den Fokus rückt. Was wirklich daraus wird, soll sich auf dem Genfer Automobilsalon im Frühjahr 2011 zeigen. Da soll der Nachfolger des Lamborghini Murcielago seine offizielle Premiere feiern. Er kommt ebenfalls mit einer Karosserie aus Kohlefaser – jedoch mit zwölf Zylindern und rund 700 PS. Der dürfte dann rund 1,6 Tonnen wiegen.

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Text:  Eine eMail an Sebastian Viehmann schicken Auf Artikel linken
Fotos: Hersteller
Ort: Paris

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