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Faszination  Faszination: Melkus RS 2000

Sachsen-Power



Der Melkus RS 2000 wird nur 25-mal pro Jahr gebaut und bietet Fahrspaß pur – dank optimaler Gewichtsverteilung mit Mittelmotor und Kompressor-Bums im Rücken.

 
 Melkus RS 2000
  
 Melkus RS 2000  - Foto: Viehmann  Melkus RS 2000 - Foto: Viehmann  Melkus RS 2000 - Foto: Viehmann  Melkus RS 2000 - Foto: Viehmann  Melkus RS 2000 - Foto: Viehmann  Melkus RS 2000 - Foto: Viehmann

Die beiden jungen Männer in ihren Blaumännern staunen nicht schlecht: "Dürfen wir den mal in der Mittagspause Probe fahren?", fragen sie, als der Melkus RS 2000 auf einem Betriebsgelände bei Dresden für Fotoaufnahmen posiert. Sie sind gerade Anfang 20, doch der Name Melkus ist ihnen ein Begriff: "Klar doch, das war der Sportwagen der DDR!" Nun sind sie gespannt, was in der Neuauflage des Sachsen-Renners steckt. Aber wer einmal am Steuer des RS 2000 sitzt, gibt es so schnell nicht aus der Hand.

3,5 Kilogramm pro PS – viel mehr braucht man nicht zu sagen, um den Fahrspaß des Heck-Mittelmotor-Renners vorauszuahnen. Der 950 Kilo leichte RS 2000 wird von einem Vierzylinder-Reihenmotor mit 270 PS und variabler Ventilsteuerung angetrieben. Dank Aufladung durch den mechanisch angetriebenen Strömungslader lautet das maximale Drehmoment 260 Newtonmeter bei 5500 Touren, abgegeben wird die Kraft an die Hinterräder. Der Melkus ist ein Auto mit zwei Gesichtern, die fließend ineinander übergehen: Eben noch gleitet man recht kommod und mit unspektakulärem Motorsound über die Landstraße, im nächsten Moment mutiert der Straßensportler zum Rennwagen.

Dazu braucht es nur die passenden Drehzahlen. Die Landstraße schlängelt sich einen Hügel hinauf, mit der knackigen Handschaltung schaltet man herunter und gibt dem Melkus die Sporen. Der Lader meldet sich zu Wort, als habe man gerade einer Armee im Rücken den Angriffsbefehl erteilt. Sobald die Nadel des Drehzahlmessers an der 5000er Marke vorbeigeflogen ist, setzt der Schub ein – aber keineswegs ruckartig wie bei einem Turbo. In 4,9 Sekunden hat der Melkus aus dem Stand Tempo 100 erreicht, und wenn man die Drehzahl nicht zu weit sinken lässt, gibt es immer genügend Nachschub. Mit der sehr direkt übersetzten Lenkung lassen sich die Kurven zielgenau anpeilen. Mit doppelten Dreieckslenkern und Stabilisatoren liegt der Melkus ruhig und straff in der Kurve, ein einstellbares Renn-Fahrwerk gibt es optional.

Für Piloten über 1,90 Meter Körpergröße ist der Melkus allerdings nicht geeignet, und auch schon ein paar Zentimeter darunter wird es etwas eng: Der Schalthebel muss dicht am rechten Bein vorbeigeführt werden, die Pedale stehen dicht beieinander. Der obere Teil der Rundinstrumente wird zumindest bei größeren Piloten durch den Lenkradkranz verdeckt. Unter dem Lenkrad und über dem Kopf steht dagegen genügend Raum zur Verfügung.

Der RS 2000 ist die Neuinterpretation des Melkus RS 1000. Der Zweitakt-Flügeltürer wurde von 1969 bis 1979 in Kleinserie gebaut und stand nur ausgewählten Rennfahrern zur Verfügung. "2006 haben wir das Original in kleiner Stückzahl neu aufgelegt, und viele haben gesagt: Könnt ihr nicht einen Nachfolger bauen?" erzählt Peter Melkus. Er ist der Sohn des verstorbenen Rennfahrers Heinz Melkus, der den gleichnamigen Sportflitzer konstruierte.

2009 war es soweit, der RS 2000 wurde auf der IAA präsentiert. Nun hat die Produktion begonnen. Der neue Melkus leiht sich das Chassis von Lotus und entsteht wie einst sein Urahn komplett in Handarbeit. So hat der Melkus denn auch wenig mit dem rustikalen Charme eines Lotus gemein. Die Sitze, die breiten Holme der Flügeltüren und das Armaturenbrett sind mit besticktem Leder bezogen, das Fahrwerk schüttelt einem nicht die Plomben aus den Zähnen und die Ausstattung des Wagens ist erheblich besser. Und es warten immerhin 225 Liter Kofferraum im Heck.

Vier RS 2000 hat Melkus bislang verkauft, zwei weitere entstehen gerade in der Dresdner Manufaktur. "Derzeit sieht es sehr gut aus", blickt Geschäftsführer Sepp Melkus optimistisch in die Zukunft des Familienunternehmens. Die ersten Fahrzeuge wurden alle in Deutschland ausgeliefert, es flattern aber immer wieder Anfragen aus aller Welt auf den Schreibtisch von Verkaufsleiter Alexander Liebezeit. „Unsere Kapazitäten in diesem Jahr würden noch für 12 Fahrzeuge reichen“, sagt Liebezeit. Pro Jahr sollen maximal 25 Autos entstehen.

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Text:  Eine eMail an Sebastian Viehmann schicken Auf Artikel linken
Fotos: Viehmann
Ort: Dresden

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