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Faszination  Faszination: Nissan Pivo2

Robodrops



Nissans Designstudie Pivo2 hat einen japanischen R2-D2 zum Kopiloten und ist das passende Auto für die Manga-Film-Generation. Doch was nützt das, wenn man noch mit der Augsburger Puppenkiste aufgewachsen ist?

 
 Nissan Pivo2
  
 Nissan Pivo2  - Foto: Hersteller  Nissan Pivo2 - Foto: Viehmann  Nissan Pivo2 - Foto: Hersteller  Nissan Pivo2 - Foto: Hersteller  Nissan Pivo2 - Foto: Hersteller  Nissan Pivo2 - Foto: Viehmann

Haruo Matsuo schaut ein wenig verlegen drein. Der Nissan-Entwickler demonstriert die Funktionsweise von RA, dem "Robotic Agent" im Pivo2. RA soll die Stimmung des Pivo-Piloten erkennen. Ein Grinsen interpretiert RA sofort als "Glücklich", eine Grimasse etwas hilflos als "Schläfrig". Und bei einem normalen Lächeln tippt der virtuelle Kompagnon auf eine "neutrale" Gemütsverfassung.

Da hat Haruo Matsuo einen Geistesblitz: "Nehmen Sie mal die Brille ab. Vielleicht verwirrt ihn das." Und siehe da – schon funktionert die virtuelle Gedankenleserei etwas besser. Geht doch.

RA ist kugelrund, hat blaue Blinklicht-Augen und dreht sich in einer Mulde am Armaturenbrett im Kreis. Mit einer Kamera scannt er ständig bestimmte Punkte im Gesicht des Fahrers – zum Beispiel Mundwinkel, Augenbrauen oder Stirn – und schließt daraus auf dessen Gemütsverfassung. Nach seinem Auftritt auf der Tokio Motor Show wird Pivo2 auch ein Star auf dem Genfer Salon sein.

Mit einer Demonstration in Paris hat Nissan das Nippon-Ei schon in Aktion gezeigt, mit einer attraktiven japanischen Pilotin am Steuer. Auf die Frage "Wo kann ich hier parken?" dreht RA sein Kugelköpfchen hin und her und informiert gut gelaunt: "Nach 200 Metern links oder 300 Metern rechts findest du eine Parklücke". Wenn die Fahrerin eine Flunsch zieht, aktiviert der japanische R2-D2 seine Aufheiterungs-Schaltkreise und erzählt einen Witz. Nicht nur anhand der Mimik, sondern auch an der Sprechgeschwindigeit und –lautstärke bewertet RA die Laune des Fahrers.

Pivo2 kann jedoch noch mehr. Mit einem konventionellen Auto hat er kaum noch etwas zu tun. Die vier Räder können sich um 360 Grad drehen und die eiförmige Fahrerkabine mit den drei Sitzen rotiert um die eigene Achse.

Pivo2 ist so beweglich wie ein Bürostuhl mit Rollen. Vier je 20 PS starke Elektromotoren an den Radnaben und das "Metamo"-System machen’s möglich: Jedes Rad wird einzeln angesteuert und bewegt sich unabhängig von den anderen. Gleichzeitig ändert ein Computer die Position der beweglichen Passagierkabine je nach Fahrsituation. "Das ist wie bei einem Skifahrer. Pivo2 geht in die Knie und legt sich in die Kurve", erklärt Entwicklungschef Masahiko Tabe.

Natürlich sind viele Ideen im Pivo2 viel zu radikal, als dass sie in naher Zukunft auf der Straße zu sehen sein könnten. Zumindest die Antriebstechnik ist aber ein Vorgriff auf die nächsten Jahre. "Unsere Radnabenmotoren sind bis 2015 serienreif. Das erste Elektroauto für Europa wird aber größer sein als der Pivo2 – wir planen ein Fahrzeug im B- oder C-Segment", sagt Masahiko Tabe. Es wird also ein Fünfsitzer sein, der mindestens so groß ist wie ein Nissan Note.

Schon in zwei bis drei Jahren sollen Lithium-Ionen Akkus als Kraftquelle parat stehen. Die Renault-Nissan-Allianz hat angekündigt, ab 2011 Elektroautos in Israel einzuführen. Kunden kaufen das Elektrofahrzeug und unterschreiben einen Vertrag mit dem Stromlieferanten. Es soll Aufnahmegebühr und Monatsgebühren für den Mobilitätsservice geben. Der Besitz und Betrieb eines Elektroautos wäre dann theoretisch so einfach wie der eines Handys.

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Zu viele Bussis?
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Auch der "Robotic Agent" soll irgendwann realer Bestandteil der Fahrzeugtechnik werden. Aber ob der so gerne übel gelaunte deutsche Autofahrer mit RAs Geplapper auf Dauer überhaupt glücklich wäre?

Wer am Frankfurter Kreuz im Stau steht, keine Zeit zum Frühstücken hatte und wieder zu spät ins Büro kommt, könnte die permanenten Verbal-Bussis der Gute-Laune-Kugel irgendwann mit einem durch die Zähne gezischten "Noch ein Wort, und du fängst eine" quittieren. Und ein italienischer Pilot, der mit fünf Tassen Espresso intus zehn Gesten pro gesprochenem Wort vollführt, würde RAs Schaltkreise wohl ganz schön auf Trab halten.

Zumindest mit disziplinierten Asiaten am Volant hätte der kleine Roboter wenig zu befürchten. "Wir Japaner haben viel weniger Gesichtsausdrücke als die Europäer", sagt Nissan-Entwickler Haruo Matsuo.

Das wird RA glücklich machen.

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Text:  Eine eMail an Sebastian Viehmann schicken Auf Artikel linken
Fotos: Viehmann

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