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BMW 524 td  Autoklassiker: BMW 524 td

Diesel wird Sportler



115 PS und 210 Nm Drehmoment - das reichte 1983, um die Automobilwelt zum Schwärmen zu bringen. Galten Diesel bis dato als träge, brachte BMW ihm mit dem 524 td den sportlichen Trend.

 
 BMW 524 td
  
 BMW 524 td  - Foto: Grundhoff  BMW 524 td - Foto: Grundhoff  BMW 524 td - Foto: Grundhoff  BMW 524 td - Foto: Grundhoff  BMW 524 td - Foto: Grundhoff  BMW 524 td - Foto: Grundhoff

Einst zuckelten sie laut ratternd und zäh die Berge hinauf. Jeder Überholvorgang wollte gut überlegt sein, denn Drehfreude und Elastizität waren an Bord eines 60 PS starken Mercedes 200 Diesel weit weg. Doch VW Golf GTD und BMW 524 td erfanden den Selbstzünder Anfang der 80er Jahre für den ambitionierten Alltagsbetrieb neu. Fortan war nichts mehr, so wie es war. BMW hatte bis dato gar keinen Diesel im Programm, denn zum sportlichen Image der Marke wollte die rußende Technik mit ihren mäßigen Fahrleistungen und qualmenden Auspuffen nicht passen.

Seine Publikumspremiere feierte der BMW 524 td vor exakt 30 Jahren. Während der 70 PS starke GTD dem Golf I das sparsame Fliegen beibrachte, zündete BMW die Dieselrakete für die größeren Fahrzeugklassen. Hier gab es bis dato kaum mehr als die trägen Vorkammerdiesel aus dem Hause Mercedes, die als 200er, 220er oder 240 Diesel durch die Landschaft tuckerten.

Doch auch Mercedes hatte Ende der 70er die Pfad der Tugend verlassen und ließ seine ebenso sparsamen wie langlebigen Dieselmotoren als 300 TD und 300 TDT zu Schwabenpfeilen werden. Doch die Mercedes E-Klasse W 123 hatte seinerzeit ebenso wenig Sportliches wie der in den USA erfolgreiche Dieselmotor in der S-Klasse der Baureihe W 126.

Limousine, Diesel und Dynamik ging erstmals ernsthaft in dem BMW 524 td zusammen. Wenn man ihn in den heutigen Tagen bewegt, mag man daran zunächst ernsthaft zweifeln. Das liegt auch daran, dass der knallrote Proband aus dem Jahre 1983 mit einer Buchhalterausstattung erster Güte von sich reden macht. Elektrische Fensterheber, Kopfstützen hinten, Colorglas, eine Zentralverriegelung oder gar eine Klimaanlage waren beim 5er der Baureihe E28 zwar sehr wohl zu bekommen. Doch der BMW 524 td, mit dem wir unterwegs waren, bot und bietet nichts mehr als Alufelgen, Nebelscheinwerfer und ein manuelles Schiebedach.

BMW 524 td, Autoklassiker
Das feuerrote Spielmobil geht Dank 210 Nm ebenso kraftvoll wie lautstark zu Werke
BMW 524 td, Autoklassiker

So auf Enthaltsamkeit getrimmt, kommt einem der Antritt des Reihensechszylinders vor, als würden Sandsäcke an der hinteren Stoßstange hängen. Elastisch, drehfreudig und kraftvoll - so wurde der erste Dieselauftritt der Münchner Bayern im Jahre 1983 allenthalben beschrieben. Nachvollziehen kann man diese Einordnung nur retrospektiv. Denn der wenig laufruhige 5er Diesel nagelt unter heutigen Gesichtspunkten trotz seiner sechs Brennkammern wie ein Sack Nüsse. Die Drehfreude der grandiosen Benziner 520i oder gar 528i fehlt dem 524 td, der noch ohne Katalysator unterwegs war. Immerhin geht das feuerrote Spielmobil Dank 210 Nm ebenso kraftvoll wie lautstark zu Werke.

Die Antriebseinheit des BMW 524 td war von den Motorenentwicklern in München auf der Basis eines Reihensechszylinder-Benziners konzipiert worden. Die Gemeinsamkeiten beschränkten sich dabei auf den Grundaufbau, das Ölversorgungsprinzip und den obenliegenden Ventiltrieb mit der von einem Zahnriemen angetriebenen Nockenwelle. Um den besonderen Anforderungen des Diesel-Prinzips und den Entwicklungszielen für den ersten hauseigenen Selbstzünder gerecht zu werden, waren alle weiteren Details neu konstruiert worden.

Dabei wurden vor allem die thermische Belastung und der hohe Verbrennungsdruck des im Verhältnis von 22,0:1 verdichteten Motors berücksichtigt. Das Kurbelgehäuse aus Grauguss erhielt ein Kühlsystem nach dem Längsstromprinzip mit Wasserräumen, die zwischen den Zylindern angeordnet wurden, sowie eine spezielle Deckplatte, die den hohen Kräften der Zylinderkopfverschraubung gewachsen war. Die geschmiedete Kurbelwelle erzeugte einen größeren Hub und war zudem aus besonders vergütetem Stahl gefertigt. Kolben, Pleuel und Kurbelwellenlager wurden ebenfalls hinsichtlich Bauart und Materialbeschaffenheit modifiziert, um maximale Zuverlässigkeit auch unter Volllast sowie im Dauerbetrieb zu gewährleisten.

Eine BMW spezifische Weiterentwicklung des Wirbelkammer-Brennverfahrens sorgte maßgeblich für Leistungssteigerung bei gleichzeitiger Reduzierung des Verbrauchs sowie der Geräuschemissionen. Das in Steyr produzierte Triebwerk des BMW 524td war zudem mit einem Schnellstartsystem ausgestattet, das die dieseltypischen Vorglühzeiten deutlich verkürzte.

BMW 524 td, Autoklassiker
Klotzen konnte der Bayer mit seiner beeindruckenden Sparsamkeit
BMW 524 td, Autoklassiker

Der Turbolader führte die Abgase aus jeweils drei Zylindern zusammen und getrennt voneinander zum Turbinenrad. Die Leistungsdaten waren zu damaligen Zeiten beeindruckend. Der 2,5 Liter große Sechszylinder leistete 85 kW/115 PS und ein maximales Drehmoment von 210 Nm, das bei 2.400 U/min zur Verfügung stand. Der Turbolader arbeite ab 1.500 U/min und lieferte den vollen Ladedruck von 0,8 bar knapp darunter bei 2.200 U/min. Von 0 auf Tempo 100 reichten 12,9 Sekunden. Und eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h machte den Bayernexpress zum schnellsten Seriendiesel der Welt.

Klotzen konnte der Bayer mit seiner beeindruckenden Sparsamkeit. Mit einem Normverbrauch von 7,1 Litern Diesel auf 100 Kilometern lagen die leistungsstärkeren Benziner in weiter Ferne. Kurzzeitig fand der deutsche Sportdiesel sogar Verwendung im amerikanischen Topmodell Lincoln Continental.

War der Dieselanteil in Europa zwischen 1973 bis 1982 von vier auf 15 Prozent gestiegen, so erfreute sich auch der Dieselmotor im 4,62 Meter langen 5er BMW einer immer größer werdenden Beliebtheit. Mitte der 80er Jahre wurde jeder dritte Fünfer von einem Turbodiesel angetrieben und der 524 td war innerhalb von vier Jahren das beliebteste Modell der Baureihe. Weniger Beliebtheit erfreute sich die Saugvariante die ab 1985 auch im kleineren 3er BMW zu bekommen war. Mit den müden 63 kW/86 PS fuhr sich das bayrische Doppelpack wie eine Wanderdüne.

Ist man eine Zeit mit dem BMW 524 td unterwegs, ist der Zeitsprung vollzogen. Man gewöhnt sich an den grolligen Klang, das Turboloch bei niedrigen Drehzahlen und auch das starken Nicken und Wanken der 5er Karosserie. Lenkung und Schaltung gefallen dagegen auf Anhieb und auf der Autobahn rollt der dynamische Bayer von gestern flott und locker im Verkehr mit. Dass es ab 140 km/h etwas zäh wird, stört bei der Fahrt nur am Rande. Vielmehr versucht man, den kaum vorhandenen Komfort des Buchhaltermodells zu genießen, kurbelt die Scheibe ein Stück herunter und merkt erst jetzt, dass sogar das Radio fehlt.

Mehr Druck nach vorn gab es im Jahre 1991, als die nächste 5er-Generation der Baureihe E 34 vorgestellt wurde. Der gründlich überarbeitete Erstlingsmotor, wie gewohnt mit sechs Zylindern in Reihenbauweise, arbeitete nach dem Wirbelkammer-Prinzip. Die Ventilsteuerung erfolgte über eine kettenbetriebene Nockenwelle und Tassenstößel mit hydraulischem Ventilspielausgleich. Auch Dank der nun V-förmigen Kolbenmulden und eines neuen Einspritzsystems stieg die Motorleistung auf 105 kW/143 PS und 260 Nm maximales Drehmoment. Heute hat der Topdiesel im 5er als BMW M 550d xDrive nicht nur Allradantrieb und 381 PS, sondern auch eine Abgasreinigung, die kaum mehr als saubere Luft aus dem Auspuff blasen lässt. So ändern sich die Zeiten.

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Fotos: Grundhoff BMW 524 td http://goo.gl/8T9z4p

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