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Autoklassiker  60 Jahre Corvette

Ein echter Renner



Im Herbst diesen Jahres fährt die Chevrolet Corvette in ihre siebte Generation - und wird ganz nebenbei 60 Jahre alt. Ausgerechnet ein Deutscher zeichnete damals den amerikanischen Traum.

 
 60 Jahre Corvette
  
 60 Jahre Corvette  - Foto: Hersteller  60 Jahre Corvette - Foto: Hersteller  60 Jahre Corvette - Foto: Hersteller  60 Jahre Corvette - Foto: Hersteller  60 Jahre Corvette - Foto: Hersteller  60 Jahre Corvette - Foto: Hersteller

"Was die Europäer können, können wir schon lange", dürften sich Anfang der 1950er Jahre viele US-amerikanischen Automobildesigner und Ingenieure gedacht, aber vor allem gewünscht haben. Denn die Tatsache, dass auf den heimischen Straßen hauptsächlich europäische und keine amerikanischen Sportwagen fuhren, konnten und wollten sie nicht weiter erdulden. Sie mussten handeln. Zumal die Käuferschicht ja vorhanden war - nur an dem richtigen Fahrzeug mangelte es.

Dass es ausgerechnet ein Deutscher sein musste, der den amerikanischen Traum in Skizzen zum Leben erwecken würde, konnte zu dem Zeitpunkt noch niemand ahnen. Denn bevor Carl Heinz Renner, der 1927 zusammen mit seiner Familie von Deutschland ins amerikanische Detroit ausgewandert war, die ersten Ideen eines neuen amerikanischen Sportwagens anfertigte, sorgte sein Bleistift vor allem bei Kindern für strahlende Gesichter - er war nämlich Zeichner bei Walt Disney.

Nach seinem Jobwechsel hin zu General Motors war er zusammen mit GM-Chef-Designer Harley Earl maßgeblich an der Umsetzung des Projektes beteiligt. Der gab stets ehrlich und ohne falschen Stolz zu, dass er seine Inspirationen vom Jaguar XK 120 mit Aluminiumkarosserie ableitete. Vom britischen Design überzeugt, bauten sie nun aus bereits vorhandenen Teilen und Motoren bestehender Chevrolet-Modellen ein Freizeit-Cabrio. Zwei Sitze, eine Karosserie aus Fiberglas, keine Türgriffe, keine Seitenfenster - ein auf den ersten Blick fast billig wirkendes Modell war geboren und gefiel. Am 2. Juni 1952 gab GM-Präsidenten Harlow Curtice grünes Licht für den Bau eines Prototyps.

Mit der Suche nach dem richtigen Aussehen und Fahrverhalten begann zeitgleich die Suche nach einem passenden Namen für den neuen Sportler. Der Legende nach soll der Name Corvette, der ein kleines, wendiges Kriegsschiff bezeichnet, einem Mitarbeiter beim Durchblättern eines Wörterbuchs so gut gefallen haben, dass er ihn gleich vorschlug. Mit Erfolg.

Passend zum patriotischen Entwicklungsgedanken der Corvette trug das frisch designte Logo anfangs noch neben der schwarz-weiß karierten Zielflagge die amerikanische Fahne. Vier Tage vor der finalen Präsentation wurde diese jedoch gegen eine Flagge mit dem Chevrolet-Logo ausgetauscht, da damals die Darstellung des Staatsbanners auf kommerziellen Produkten nicht erlaubt war.

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Small-Block-V8
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1953, auf der Motorama in New York, war es dann soweit: Die C1 erblickte das Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Der gewaltige Zuspruch der Besucher sorgte dann schließlich dafür, dass gut ein halbes Jahr darauf mit der Serienproduktion begonnen werden konnte. Am 30. Juni 1953 verließ eine zur damaligen Zeit in unglaublichen elf Sekunden aus dem Stand bis Tempo 100 sprintende C1 das Werk in Flint im Bundesstaat Michigan. Im gleichen Jahr wurden 300 Fahrzeuge produziert, die ausschließlich in der Farbe Polo white und als Cabriolet erhältlich waren. Ein Jahr darauf verließen 3.640 Fahrzeuge das Werk.

Aus dem 3,8 Liter großen Reihensechszylinder holten die Ingenieure, zu denen vor allem der rennsportbegeisterte Zora Arkus-Duntov gehörte, bis zu 155 Pferdestärken. Die beschleunigen die 4,25 Meter lange und 1,3 Tonnen schwere Corvette auf bis zu 170 Kilometer pro Stunde. Das erste Modell wurde insgesamt neun Jahre lang gebaut und bekam während des knappen Jahrzehnts zahlreiche Modelpflegen und stärkere Motoren mit bis zu 360 PS verpasst.

Die größte Änderung betraf jedoch nicht die reine PS-Zahl, sondern die Quelle, der sie entstammt. Denn 1955 entschloss sich General Motors, erstmals einen Small-Block-V8-Motor in die Corvette zu verbauen, was neben einer ordentlichen Leistungsspritze auch der Klangkulisse den nötigen und bis dato noch fehlenden Schub bescherte.

Dass allein die Verwendung eines Achtzylindertriebwerks nicht automatisch für eine sportliche Fahrdynamik sorgt, bewies die Federung der ersten drei Modellreihen. Neben den schlechten Fahreigenschaften sorgte zudem noch die auf 700 Stück gefallene Produktionszahl der Corvette für schlechte Laune im GM-Lager. Zu allem Überfluss lieferte Ford zum selben Zeitpunkt mit dem Thunderbird einen gleichstarken, aber dafür komfortabler gefederten Konkurrenten, der sich im gleichen Jahr 16.000 Mal verkaufte.

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Die Liga der Supersportler
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Angetrieben vom harten Konkurrenzdruck setzte das Ingenieurs-Team um Zora Arkus-Duntov alles daran, die "Vette" zu verbessern. "Die größten Veränderungen der Federung sind eine Verbesserung der Fahrzeugstabilität bei hohen Geschwindigkeiten, erhöhte Rückmeldungen an den Fahrer durch die Lenkung und eine Optimierung der Kraftübertragung in Kurven", erklärte Arkus-Duntov.

Genau zehn Jahre nach der ersten Corvette gab es die radikalste Neuentwicklung: den Stingray. Mit vier einzeln aufgehängten Rädern und einem neuen Leiterrahmen gab es nämlich die Corvette nun auch als Coupé. Das geteilte Heckfenster, welches ein Jahr darauf wieder verschwand, bescherte dieser C2 den Namen Split Window.

Neben zahlreichen Neuerungen in puncto Design und Motorenpalette fand 1978 mit der nicht zu öffnenden Glaskuppel am Heck eine erste große Karosserieveränderung statt. Gleichzeitig kam die Corvette als Pace Car für das Indy 500-Rennen zum Einsatz und in Form einer Sonderedition insgesamt 6.502 Mal auf die Straße. Einen groben Einschnitt in der Geschichte der Vette verzeichnet das Jahr 1975, in dem, bedingt durch eine Verschärfung der Sicherheitsvorschriften, die Produktion des Cabrios eingestellt wurde.

1986, als C4, fand das Cabrio wieder zurück ins Modellprogramm. Dank des 1989 vorgestellten, bis zu 411 PS starken und 290 Kilometer pro Stunde schnellen Topmodells ZR-1, avancierte die Chevrolet Corvette erstmals zu einer ernsthaften Konkurrenz für die europäischen Sportwagen. Die C4 ist im Übrigen mit 13 Jahren Produktionszeit die am längsten gebaute Vette-Generation.

Zwischen 1997 und 2004 war die C5 in den drei verschiedenen Karosserievarianten Cabriolet, Coupé mit herausnehmbarem Dachmittelteil sowie als Coupé mit festem Dach erhältlich. Ihre Motorisierung reichte, wie auch schon beim Vorgängermodell, bis hin zur 411 PS starken Topversion in der Z06. In der noch aktuellen C6, die in diesem Jahr von der Corvette Stingray abgelöst wird, schlägt noch mit 647 PS das stärkste Motorenaggregat innerhalb der Corvette-Familie. Der Aufstieg in die Liga der Supersportwagen ist dank der 2008 auf den Markt gekommenen ZR1 so ganz nebenbei auch noch zur Realität geworden.

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Text:  Eine eMail an Marcel Sommer schicken Auf Artikel linken
Fotos: Hersteller

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