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Autoklassiker  Autoklassiker: BMW 733i/E23

Der ewige Zweite



Seit dem Mai 1977 ist für Mercedes das süße Leben mit der S-Klasse vorbei. Mit dem 7er wagt es BMW und bringt erstmals einen ernsthaften Konkurrenten für die Luxusmacht aus Stuttgart heraus.

 
 Der 7er von BMW
  
 Der 7er von BMW  - Foto: Grundhoff  Der 7er von BMW - Foto: Hersteller  Der 7er von BMW - Foto: Grundhoff  Der 7er von BMW - Foto: Grundhoff  Der 7er von BMW - Foto: Grundhoff  Der 7er von BMW - Foto: Grundhoff

Bis heute ist die Mercedes S-Klasse unter den Limousinen weltweit das Maß der Dinge. Lange war sie nicht nur in Deutschland allein auf weiter Flur, hatte besonders in Zentraleuropa keine Konkurrenz. Doch mit dem 7er BMW der Baureihe E23 wurde im sonnigen Frühjahr 1977 alles anders.

Die Münchner brachten als Nachfolger des wenig erfolgreichen BMW E3 ihre erste echte Luxuslimousine auf den Markt und bewiesen der S-Klasse vom Start weg, wie dynamisch man im obersten Fahrzeugsegment unterwegs sein kann. Das zeigte sich auf den ersten Blick schon bei der Optik. Während der Mercedes mit mächtigen Rechteck-Scheinwerfern und imposantem Festungs-Kühlergrill auf der Überholspur unterwegs war, versuchte es BMW deutlich filigraner. Markant sind bis heute die Doppelscheinwerfer und die geneigte Doppelniere im Stile eines Haifischmauls. Damit lehnte sich der E23 nahtlos an das Luxuscoupé des 6ers vom E24 an, der ein Jahr zuvor Premiere feierte.

Der 4,86 Meter lange 7er BMW hatte nur einen Konkurrenten: die Mercedes S-Klasse der Baureihe W116, die fünf Jahre früher auf den Markt kam. In ihr waren insbesondere mit den großen Motorisierungen 350 SE/450 SE Wirtschaftsbosse, Firmenchefs und Politiker unterwegs. Den 116er gab es als Normal- und Langversion, auf Wunsch sogar in schwerer Panzerung oder als grandiose Sportversion 450 SEL 6.9 mit 286 PS.

Mit seinem ersten Siebener ging BMW in die Vollen. Auf Basis des E12 entwickelt, sollte er so fahrdynamisch sein wie man es von den sportlichen Bayern kannte und dabei bis dato unerreichten Komfort und Luxus vereinen. Ehe in späteren Jahren die Topversionen BMW 735i und der aufgeladene 745i mit 252 PS kamen, war der BMW 733i das Topmodell. Der 3,2 Liter große Reihensechszylinder vom Typ M30 war auch in den 70er Jahren das Beste, das man mit sechs Brennkammern bekommen konnte.

Der lange geplanten größeren Versionen mit V8- und V12-Motor blieben aus Kostengründen und wegen der angespannten Erdölsituation außen vor. Mit 145 kW/197 PS, 280 Nm bei 4.300 U/min und 215 km/h Spitze blieb der 733er der Schrecken vieler Sportwagen. 1979 wurde der 733i vom 732i mit digitaler Motorelektronik und nahezu identischer Leistung ersetzt.

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Die Präsidentenlimousine
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Im Gegensatz zu seinem einzigen Konkurrenten aus Schwaben gingen die Bayern nicht nur bei Antrieb und Fahrdynamik einen anderen Weg. Auch im Innenraum zeigte sich der 7er BMW so modern wie einst die Enterprise von Captain Kirk. Die großen Runduhren des Cockpits lieferten dabei allenfalls einen Teil der Informationen. Die zum Fahrer geneigte Mittelkonsole bot nicht nur übersichtliche Bedienelemente und Drucktaster, sondern auch pfiffige Lösungen wie den Lüftungsregler um die Analoguhr herum. Links oberhalb des Fahrerknies gab es eine frühe Art von Bordcomputer. Der Fahrer konnte per Knopfdruck testen, ob die wichtigsten Fahrzeugfunktionen wie Licht, Motoröl oder Bremsflüssigkeit in Ordnung waren.

Erst mit leichter Verzögerung gab es den E23 auch mit standesgemäßen Ledersitzen. Doch in den 70er Jahren stand edler Flockvelours bei vielen Kunden hoch im Kurs. Wer seinen BMW 733i mit allen nötigen Kreuzen in der nicht allzu langen Aufpreisliste versah, genoss den Luxus von elektrischen Fensterhebern vorn und hinten, einem elektrischen Schiebe-/Ausstelldach, Colorglas, Scheinwerferwachanlage und einer manuellen Klimaanlage. Serienmäßig waren beim Topmodell 733i unter anderem der elektrische Außenspiegel, Alufelgen, Servolenkung und Kopfstützen hinten. Auf besonderen Wunsch wurde die Ausstattung des 7ers noch mit einem Autotelefon und elektrisch verstellbaren Einzelsitzen komplettiert. Erst 1979 zog mit dem 732i das von Bosch und Daimler gemeinsam entwickelte Anti-Blockier-System ein.

Kein Wunder, dass es auch der bayrische Ministerpräsident Franz-Josef Strauß kaum erwarten konnte, sein Panzerdoppel aus Mercedes 350 SEL und 450 SEL so schnell als möglich durch Produkte aus heimischen Landen zu ersetzen. Mit Hochdruck wurden Ende der 1977 zwei schwer gepanzerte BMW 733i aufgebaut, die dem Ministerpräsidenten fortan Schutz vor der Roten Armee Fraktion und Angriffen jeglicher Art geben sollen.

Noch heute berichten ehemalige Personenschützer, dass das Fahrverhalten der nachträglich schwer gepanzerten 7er-Versionen alles andere als einfach war und die Fugen bei flotter Gangart so groß wurde, dass es zog. Das Gewicht der gepanzerten 733i war mit knapp drei Tonnen so hoch, dass die bayrische Staatslimousine fortan nur mit drei Personen besetzt werden konnte. Der Komfort war durch die weit in den Innenraum ragenden Panzerplatten deutlich eingeschränkt.

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Es geht weiter
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Doch die Serienversionen des BMW 733i und seiner kleineren Brüder 728, 728i und 730 waren den Mercedes S-Klassen in Sachen Fahrdynamik weit überlegen. Lenkung, Bremsen, Fahrwerk und Antrieb waren der Konkurrenz deutlich voraus - zumindest, wenn man es schnell bevorzugte.

Das Fahren in dem 1,5 Tonnen schweren BMW 733i überzeugt heute wie vor 35 Jahren. Der Reihensechszylinder präsentiert sich grandios drehfreudig und besonders in Verbindung mit der manuellen Viergangschaltung eine Glanzbesetzung. Die Getriebeautomatik nimmt dem 7er viel von seinem Elan und kann nicht an der der S-Klasse kratzen, die zudem mit Versionen bis hoch zum übermächtigen 450 SEL 6.9 ganz andere Hubraum- und Leistungsreserven hatte. Fahrdynamik und Kurvengeschwindigkeiten sind beachtlich, wenn man sich erst einmal an die mächtigen Wankbewegungen gewöhnt hat.

Was dem Siebener in den späten 70er und frühen 80er Jahren insbesondere fehlte, war der Stern auf dem Kühlergrill und das nötige Image, um in die obersten Schichten der Bevölkerung zu kommen. Da machte Deutschland keinen Unterschied zu Asien oder den USA, wo später sogar eine L7-Bavaria-Luxusversion mit Komplettausstattung aufgelegt wurde.

Und es hat sich vom Grundsatz her bis heute kaum geändert. Der aktuelle 7er BMW ist dennoch längst auf Augenhöhe mit dem ewigen Erzrivalen S-Klasse und dem aufgestiegenen Audi A8. Doch weltweit betrachtet, bestimmt die Mercedes S-Klasse nach wie vor unangefochten das Top-Segment. Längst gibt es bei allen Wettbewerbern Diesel, Allrad, Turbo-Direkteinspritzer, Hybridantriebe und alle nur erdenklichen Sicherheitssysteme. Während der aktuelle 7er BMW in diesem Sommer eine Modellpflege bekommt, blicken alle auf die neue Mercedes S-Klasse, die im Frühjahr 2013 Premiere feiert.

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Fotos: Grundhoff

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