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Autoklassiker  Autoklassiker: 50 Jahre Alfa Giulia

Happy Birthday, Giulia!



Als Rennwagen, als Familienkutsche und als Einsatzfahrzeug der Polizei - Alfa Romeo Giulia hat überall bella figura gemacht. 16 Jahre lang lief das Modell in zahlreichen Varianten vom Band.

 
 Alfa Romeo Giulia
  
 Alfa Romeo Giulia  - Foto: Hersteller  Alfa Romeo Giulia - Foto: Hersteller  Alfa Romeo Giulia - Foto: Hersteller  Alfa Romeo Giulia - Foto: Hersteller  Alfa Romeo Giulia - Foto: Hersteller  Alfa Romeo Giulia - Foto: Hersteller

1962 - in England formieren sich die Rolling Stones. In Italien lädt Alfa Romeo die Fachpresse in den königlichen Park von Monza ein, um den jüngsten Wurf der Autoschmiede zu präsentieren - Alfa Romeo Giulia 1600 TI, eine Kreuzung aus Mittelklasselimousine und Sportwagen.

Mit seinen 68 kW/92 PS liegt der Wagen leistungsmäßig auf dem Niveau eines Porsche 356. Mit seinen vier Türen, zwei durchgehenden Sitzbänken und Platz für sechs Passagiere gibt er sich dabei aber auch familientauglich. Die Karosserie des neuen Produkts aus der Mailänder Autoschmiede mutet auf den ersten Blick gar nicht besonders windschnittig an. Aber Alfas Aerodynamiker haben lange an Giulias Blechkleid getüftelt, haben es im Windkanal optimiert.

Mit einer breiten Sicke bildet der Kofferraum ein sogenanntes Kamm-Heck, benannt nach dem Kraftfahrzeugforscher und Aerodynamik-Pionier Wunibald Kamm, der in den 1930er und 40er Jahren Versuchswagen für BMW entwickelt hatte. Die Alfa-Ingenieure konnten den Cw-Wert auf 0,34 minimieren. Anfang der 1960er ist das eine Sensation, die den Hersteller veranlasst, sein neues Modell mit dem Slogan "Vom Wind modelliert" zu bewerben.

Das Triebwerk unter Giulias Haube hat seinen Ursprung im Motorsport. Block und Zylinderkopf sind aus Aluminium gegossen. Zwei von einer Doppelkette angetriebene Nockenwellen steuern die Ventile. Ein Doppelvergaser sorgt für ein heiser röchelndes Ansauggeräusch, das den Alfisti jener Jahre wohlige Schauer über den Rücken jagt.

Das Fahrwerk entspricht weitgehend dem der Vorgängerin Alfa Romeo Giulietta, der Baureihe 101 aus der Alfa-Schmiede. Doch etliche Details wurden verbessert. So kommen an der Vorderachse zusätzliche obere Querlenker zum Einsatz. Die Hinterachse wird von neu gestalteten Längslenkern und einem T-förmigen Reaktionsdreieck wirkungsvoller.

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Felgen extraleicht
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Es dauert nicht lang, da taucht die Mailänder Schönheit auf den ersten Rennstrecken auf. Ein Jahr nach der Premiere stellt Alfa Romeo eine Sportversion vor, Giulia 1600 TI Super mit einem von zwei Doppelvergasern auf 113 PS gepeitschten Motor. Lenkradschaltung und die vordere Sitzbank sind einem auf dem Mitteltunnel positioniertem Schalthebel und zwei getrennten Schalensitzen gewichen. Die Felgen sind aus einer extraleichten Magnesium-Aluminiumlegierung, die aus dem Flugzeugbau stammt. Insgesamt ist die Sportversion 100 Kilogramm leichter als die zivilere Version - und kostet mehr als doppelt so viel.

Die Giulia 1600 TI Super wird in überschaubarer Stückzahl produziert - exakt 501 Exemplare laufen vom Montageband. 1964 geht die Giulia 1300 an den Start und rundet die Baureihe 105 nach unten ab. Das 78-PS-starke Herz erweist sich allerdings als etwas zu schwach. Im folgenden Jahr wird ein 82-PS-Aggregat unter die Haube der 1300-Version gesteckt. Ab 1970 liefert ein 88-PS-starkes Triebwerk in der Giulia 1300 Super überzeugende Antriebskraft. Ab 1976 bieten die Italiener Giulia erstmals auch mit Diesel-Triebwerk an.

Die technische Basis des Modells ist so variabel, das auf dem Chassis der Limousine etliche weitere Derivate entstehen. Das Designstudio Bertone entwickelt das Coupé Sprint GT, einen rassigen Zweitürer, der heute in der Oldtimerszene schlicht als "Bertone" bekannt ist. Die Ingenieure der Motorsportabteilung Autodelta konstruieren eine Ultraleichtbau-Version, für deren Karosserie eine Aluminiumlegierung verwendet wird und die als GTA Tourenwagen-Rennkarriere macht.

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Carabinieri machen mit Giulia mobil
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Aus dem Giulia-Baukasten stammt auch die auf einem Gitterrohrrahmen basierende Giulia TZ, die für die Rennpiste ausgelegt und nur bedingt straßentauglich ist. Nicht bei Alfa, sondern in der Schmiede des Karosserie- und Designspezialisten Pininfarina wird ab 1966 der Alfa Romeo Spider gebaut. Der offene Zweisitzer, dessen Urversion im Film "Die Reifeprüfung" als Auto von Jungstar Dustin Hoffmann zur Legende wird, ist ein Giulia-Ableger.

Aus dem italienischen Straßenbild der 1960er und 70er Jahre ist die Limousine mit den sportlichen Genen schon bald nach ihrem Erscheinen nicht mehr wegzudenken. Familienväter schätzen den dynamischen Untersatz. Polizei und Carabinieri machen ebenfalls gern mit Giulia mobil.

Die starke Nachfrage nach dem Modell überfordert die Kapazitäten des 1906 eröffneten Alfa-Stammwerks in Portobello. In Arese, nördlich von Mailand, bringt der Autobauer eine neue Fabrik an den Start. Innerhalb von 16 Jahren rollen hier knapp 300.000 Exemplare verschiedener Giulia 1300-Versionen vom Band, außerdem rund 260.000 Exemplare mit 1600er Motor. 1978 ist dennoch Schluss für Giulia. Eine weitere Giulietta tritt die Nachfolge des variantenreichen Erfolgsmodells an. Doch 2013/2014 soll eine neue Giulia den Alfa Romeo 159 ablösen. Die Geschichte geht also weiter.

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Text:  Eine eMail an Susanne Kilimann schicken Auf Artikel linken
Fotos: Hersteller

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