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Autoklassiker  Autoklassiker: Alfa Romeo 2000 Sportiva

Die Unvollendete



Sie war luxuriös, schnell und traumhaft schön: Kaum ein Alfa-Coupé ist so hinreißend wie die 2000 Sportiva, die für Straße und Rennstrecke gedacht war. Trotzdem ging sie nie in Serie.

 
 Alfa Romeo 2000 Sportiva
  
 Alfa Romeo 2000 Sportiva  - Foto: Viehmann  Alfa Romeo 2000 Sportiva - Foto: Viehmann  Alfa Romeo 2000 Sportiva - Foto: Viehmann  Alfa Romeo 2000 Sportiva - Foto: Viehmann  Alfa Romeo 2000 Sportiva - Foto: Viehmann  Alfa Romeo 2000 Sportiva - Foto: Viehmann

Morgens auf die Rennstrecke, mittags auf die Autobahn, abends mit der Liebsten in die Stadt – und das alles mit einem Auto. 1954 träumte Alfa Romeo den Traum eines Hochleistungs-Sportwagens, der sich sowohl auf der Straße als auch auf der Piste wie zuhause fühlen sollte. Seine Piloten könnten sich dann quasi Alfas glorreiche Rennsport-Historie der 30er Jahre in die eigene Garage holen. Das Auto sollte Sportwagen wie dem Mercedes 300 SL Konkurrenz machen.

Die Hülle der Sportiva wurde bei Bertone entworfen und trotz des gedrungenen Auftritts mit den mächtigen Schwellern und dem kurzen Radstand war das Ergebnis ein herrliches Coupé wie aus einem Guss. Die Sportiva misst lediglich 3,6 Meter in der Länge, hat hinten eine leicht verbreiterte Spur und wiegt 915 Kilogramm. Ähnlich wie die Disco Volante hat die Sportiva eine Spaceframe-Architektur, die Karosserie ist aus Leichtmetall gefertigt. Die hinteren Kotflügel gehen in kleine Flossen über, und erst auf den zweiten Blick erkennt man, wie riesig die Heckscheibe ist. Die Sportiva wirkt damit fast wie ein Shooting Break, doch die Scheibe ist nicht Teil der winzigen Heckklappe.

Wenn man sich an den fließenden Formen des Coupés vorübergehend satt gesehen hat und das Interieur betritt, quetscht man die Knie unter ein riesiges Dreispeichen-Holzlenkrad und bewundert die pyramidenförmig angeordneten Instrumente. Das Interieur ist mit rotem Teppich ausgekleidet. Details wie die kleinen Innenleuchten mit Chromspangen oder der rautenförmige Dachhimmel zeigen den Sinn fürs Luxuriöse, andere Dinge wie die schmalen Schiebefenster dagegen die Rennsport-Gene.

Wenn man den Zündschlüssel links neben dem Lenkrad – die Sportiva ist ein Rechtslenker – umdreht, erweckt man einen Reihenvierzylinder mit zwei Litern Hubraum und 138 PS zum Leben. Das Aggregat kommt mit einem satten Röhren auf Touren, erst bei 6500 Umdrehungen entfaltet es seine ganze Power. Ein sportlich abgestimmtes Fünfganggetriebe übernimmt die Kraftübertragung.

Das Coupé umrundet selbst flott gefahrene Kurven ohne große Probleme, die De Dion-Hinterachse war damals auf der Höhe der Zeit. Auf der Teststrecke von Balocco lässt man mit einer Rarität wie der Sportiva natürlich Vorsicht walten, doch der Wagen erreichte 1954 eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h.

Obwohl die Sportiva wahrscheinlich eine würdige Konkurrentin für andere Sportcoupés geworden wäre, kam sie nie über das Prototypen-Stadium hinaus. Nur zwei Coupés und zwei Spider-Versionen wurden gebaut. Stattdessen wurden verschiedene Coupé-Versionen des Alfa 1900 und der Giulietta in Serie gebracht, um die sportlichen Ansprüche der Alfisti zu befriedigen. Besonders der Designer Franco Scaglione, der bei Bertone die Sportiva auf die Straße brachte, dürfte sich darüber geärgert haben: Das Coupé soll sein Lieblingsentwurf gewesen sein.

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Text:  Eine eMail an Sebastian Viehmann schicken Auf Artikel linken
Fotos: Viehmann
Ort: Balocco

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