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Autoklassiker  Autoklassiker: Opel Kadett 1.6 Aero

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Als 1973 der Kadett C vom Band rollte, hielt die Sportlichkeit auch in der bis dato eher langweiligen Kompaktklasse Einzug. Doch besonders spannend wurde der Aero - als Traum vom unbeschwerten Cabriofahren.

 
 Kadett Aero
  
 Kadett Aero  - Foto: Grundhoff  Kadett Aero - Foto: Grundhoff  Kadett Aero - Foto: Grundhoff  Kadett Aero - Foto: Grundhoff  Kadett Aero - Foto: Grundhoff  Kadett Aero - Foto: Grundhoff

Als die Rüsselsheimer 1973 den pragmatischen Kadett C vorstellten, verfolgten im gleichen Jahr eine Milliarde Menschen das legendäre Elvis-Konzert auf Hawaii, Carl Gustav XVI. wurde König von Schweden und das World-Trade-Center wurde in New York seiner Bestimmung übergeben. Ein Cabriolet in der preiswerten Kompaktklasse – davon konnten die Kunden bis dahin nur träumen. Es gab einen Mercedes SL, den offenen Käfer und ein paar schneidige Briten. Doch das war's auch schon.

Mit der Sportskanone Kadett C GT/E spielen die Rüsselsheimer erfolgreich den Vorreiter für eine neue sportliche Kompaktklasse, die später der Golf GTI dominierte. Doch der coolste Kadett war und ist der offene Aero – das Cabriolet für jedermann. Er wurde 1976 vorgestellt.

Die Idee, ein Cabriolet zu einem günstigen Preis zu bauen, war in Deutschland nicht neu. Das VW Käfer Cabriolet hatte sich bereits in den 50er Jahren zu einem echten Verkaufsschlager entwickelt und auch die Pläne für einen offenen Golf lagen schon in der Schublade. Bis zu seinem Start sollten jedoch noch sechs weitere Jahre vergehen. Opel wollte ebenfalls ein Cabrio - und wo sollte es besser hineinpassen, als in die neue Kadett-Familie der Generation C: Preiswerter Dreitürer, Stufenheckversion, Caravan, Coupé, die 105 PS starke, 900 Kilogramm schwere und über 180 km/h schnelle Sportskanone GT/E – da passte ein Cabriolet prächtig.

Doch so einfach ließ sich das mit dem Kadett Cabriolet nicht machen. Die Karosseriestruktur war zu weich für einen normalen offen Flitzer und die Entwicklung einer Version mit einem Überrollbügel zu aufwendig. Da die eigenen Erfahrungen mit derartigen Kleinserien fehlten, wandte man sich an die Firma Baur.

Der Karosseriespezialist in Stuttgart hatte sich nicht nur mit der Entwicklung und dem Bau von BMW-Spezialfahrzeugen einen Namen gemacht und dabei Cabrio- und Targa-Kompetenz bewiesen. Unter dem Namen Kadett Aero entwickelte das Baur-Team zusammen mit Opel-Ingenieuren auf Basis der dreitürigen Stufenheckversion einen viersitzigen Targa.

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Sportlich positioniert
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Die Entwicklungszeit war kurz. Und so erblickte der mit breiten Überrollbügel und einer mächtigen C-Säule ausgestattete Kadett Aero 1976 das Licht der automobilen Welt. Die Einführung mit dem müden 1,2-Liter-Vierzylinder und seinen 44 kW/60 PS sollte aber zunächst nicht so recht zu einem sportlich positionierten Ausflugsmobil mit Namen Targa passen.

Erst ab Herbst 1977 wurde der insgesamt 1.242mal produzierte Kadett Aero auch mit dem deutlich besseren 1,6 Liter Triebwerk angeboten. Der 75 PS starke Hecktriebler war mit der höherwertigen SR-Ausstattung ausgestattet, die unter anderem Drehzahlmesser, Analoguhr, Vierspeichenlenkrad und Zusatzinstrumente umfasste.

Das Fahrwerk wurde bereits in der ersten Hälfte der 70er Jahre hoch gelobt. So verfügte der Kadett C anders als Konkurrenz und Vorgänger vorne über eine neue Doppelquerlenkerachse mit Schraubenfedern. Für Sicherheit in flott gefahrenen Kurven sorgen Stahlgürtelreifen und ein Stabilisator rundum.

Das Targadach ließ sich mit wenigen Handgriffen und etwas Fummelei demontieren und in einer Schiene im üppig dimensionierten Kofferraum befestigen. Das Faltverdeck mit der Kunststoffscheibe warf der Pilot einfach nach hinten und verstaute es nur selten unter der PVC-Persenning.

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Unschuldiges Weiß
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Das Modell mit der Baur-Seriennummer 963 ist ein besonders seltenes aus dem Jahre 1977. Lackiert in unschuldigem Weiß hat es den Opel-Besitz bis heute nicht verlassen und derzeit gerade mal 4441 Kilometer gelaufen. Die beiden Targadach-Elemente fallen trotz ihrer schwarzen Farbe jedoch weniger ins Auge als die weißen ATS-Alufelgen und der ebenso hässliche wie unangenehm anzufassende Bezugsstoff von Sitzen und Türverkleidungen im extravaganten Pepita-Muster.

Doch das waren nun mal die 70er Jahren. Komfortable Ausstattungsdetails suchte man vergeblich. Immerhin gibt es Chromstoßstangen, eben die lackierten Alufelgen, Uhr und Drehzahlmesser. Dazu Kopfstützen und Automatikgurte. Doch das war es auch schon. Annehmlichkeiten wie elektrische Fensterheber, eine Zentralverriegelung oder gar Colorglas waren beim Aero 1.6 noch Zukunftsmusik.

Der Grund für den Misserfolg des Kadett Aero war weniger das nach heutigen Maßstäben nur mäßig grazile Design, sondern der hohe Preis. Die Aero-Preise machten dem Namen alle Ehre und entschwanden mit rund 15.000 D-Mark in ungewohnt luftige Höhen. Aufgrund der ausgelagerten Produktion lag der Preis rund 5.000 D-Mark über einem vergleichbaren geschlossenen Modell. So wurde der 4,12 Meter lange Kadett Aero im Frühjahr 1978 aufgrund der dünnen Kundennachfrage wieder aus dem Programm genommen.

Der nächste Opel-Vorstoß in die Liga der Sonnenanbeter ließ bis zum Jahre 1987 mit dem Kadett E Cabriolet auf sich warten. Er sollte dem Erfolgsmodell VW Golf Cabriolet Kunden abjagen und den ebenfalls mit einem Überrollbügel ausgestattetem Ford Escort Cabriolet auf Distanz halten. Beides gelang nur eingeschränkt.

Heute sind die wenigen auf dem Markt befindlichen Modelle des Opel Kadett Aero heiß begehrt. Für ein gepflegtes Modell muss man unabhängig von Motorisierung und Ausstattung mindestens 10.000 Euro bezahlen. Und das Angebot ist rar – sehr rar.

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Fotos: Grundhoff

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