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Autoklassiker  Autoklassiker: Lancia-Restaurierung

Schicke Teufel im Detail



Als Vincenzo Lancia seine Traumautos konstruierte, dachte er an alles – Schönheit, Technik, Klasse. Nur nicht an die Handwerker. Lancias Klassiker sind eine echte Herausforderung für Mechaniker und Restauratoren.

 
 Lancia-Klassiker
  
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Andy Frielingsdorf kniet vor einem Lancia Flaminia Sport. Der Mechaniker zeigt auf den Nebelscheinwerfer des hübschen Italo-Klassikers. Oder ist es der Blinker? Vielleicht auch das Standlicht? Es ist alles in einem. "Alle drei Funktionen sind in einem Gehäuse mit ineinander liegenden Reflektoren untergebracht", erklärt Frielingsdorf. Er arbeitet bei der B&F Touring-Garage in Troisdorf, die sich seit mehr als 20 Jahren auf Lancia-Klassiker spezialisiert hat. Es hat eine Weile gedauert, bis Andy Frielingsdorf alle Geheimnisse der Flaminia-Beleuchtung gelüftet hatte. "Doch irgendwann knacken wir jede Nuss", sagt er stolz.

Wer einen Lancia-Klassiker reparieren kann, dürfte auch ein kaputtes Ufo wieder flott kriegen. Die italienischen Schönheiten sind mitunter so komplex aufgebaut, dass Wartungs- und Reparaturarbeiten extrem anspruchsvoll sind. Da es viele Ersatzteile nicht mehr gibt, müssen die Mitarbeiter der Touring-Garage zudem oft Dinge in Handarbeit selbst anfertigen.

Auch normale Wartungsarbeiten haben schon so ihre Tücken. Bei der Elektrik ging Lancias Liebe zum Detail manchmal so weit, dass die Verkabelung aus optischen gründen schwarz eingefärbt wurde.

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Mit einem Klick ist alles weg
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Die ständige Pendelei zwischen Genie und Wahnsinn der Marke Lancia brachte sogar Kuriositäten wie den selbst leerenden Aschenbecher der 57er Aurelia hervor. Andy Frielingsdorf zeigt, wie’s funktioniert: Wenn man den Aschenbecher schließt, befördert ein Schieber die Asche in ein kleines Fach darunter. Sobald man den Ascher wieder öffnet, ist er deshalb wie von Zauberhand geleert.

"Wenn Sie so ein Teil zerlegen, denken Sie im ersten Moment, Lancia hatte nicht alle Tassen im Schrank“, gesteht Andy Frielingsdorf. „Doch solche Kleinigkeiten machen die Marke auch unheimlich sympathisch“, ergänzt er.

Neben der faszinierenden Technik entschädigt auch die Schönheit der alten Automobile für so manche Mühen. Zum Beispiel der Anblick der hinreißende Aurelia B24 Spider, Baujahr 1955. Film-Diva Brigitte Bardot fuhr sie im Streifen "…und ewig lockt das Weib". Mit ihrer Panoramascheibe und den wohl gerundeten Proportionen war die Aurelia so sexy wie die Bardot und so elegant wie die italienischen Luxus-Motorboote von Riva.

Allerdings hatte Lancia mit dem Meer wenig Glück: 50 Aurelia Spider sollen 1956 zusammen mit dem Passagierschiff Andrea Doria auf den Grund des Atlantiks gesunken sein. Das war etwa ein Fünftel der geschätzten Gesamtproduktion.

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Lieber Lancia als Alfa
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Noch seltener ist der Lancia Lambda. Er war das weltweit erste Automobil mit einer selbsttragenden Karosserie und vorderer Einzelradaufhängung. Auch mit der 1937 erschienenen Aprilia setzte sich Firmengründer Vincenzo Lancia ein technisches Denkmal. Der windschnittige Viertürer (cw-Wert 0,47) hatte sogar an der Hinterachse Einzelradaufhängung und einen besonders kompakten V4-Motor mit 49 Pferdestärken unter der Haube.

Der italienische Rennfahrer Tazio Nuvolari, der für Alfa Romeo hinterm Steuer saß, war von der Straßenlage der Aprilia begeistert. Er fuhr privat weiter Lancia - so sehr sich sein Brötchengeber Alfa Romeo auch darüber aufregte.

"Lancias waren schon immer gespickt mit technischen Highlights. V-Motor, variables Fahrwerk, Kindersicherung an den Türen – wer hatte das in den 50er Jahren schon?" fragt Peter Bazille, einer der Geschäftsführer der seit 1983 bestehenden B&F Touring-Garage. Er hat vor allem an der Aurelia und der Aprilia einen Narren gefressen.

Schon sein Vater fuhr eine Aurelia. "Mit diesem Auto bin ich praktisch groß geworden", erzählt Bazille. Sein erstes eigenes Auto war ein NSU Prinz. Die Aurelia, die damals dem Vater gehört hatte, machte er aber später ausfindig und kaufte sie zurück.

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Ursachenforschung
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Den Mechaniker-Nachwuchs bekommt Bazille nicht über Stellenanzeigen: "Das geht nur über eigene Ausbildung", sagt der Lancia-Fachmann. Viele der zehn Mitarbeiter im Betrieb sind selbst Meister. "Dieser Job erfordert viel Liebe zum Detail und zum Produkt", sagt einer der Mitarbeiter und ergänzt: "Bei modernen Autos tauschen Mechaniker manchmal Teile einfach aus, weil sie sich nicht die Mühe machen, den Defekt zu verstehen. Bei einem Klassiker ist dagegen Ursachenforschung angesagt."

Vincenzo Lancia, der Vater der legendären Marke, starb übrigens 1937 am plötzlichen Herztod. Sein Sohn Gianni übernahm später die Firmenleitung und führte die Tradition seines Vaters fort. 1969 wurde Lancia an den Fiat-Konzern verkauft. Der legendäre Ruf der Marke beschränkt sich heute aber vor allem auf die Klassiker: "Für mich ist der letzte echte Lancia eigentlich die Fulvia", findet Peter Bazille.

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Text:  Eine eMail an Sebastian Viehmann schicken Auf Artikel linken
Fotos: Viehmann

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