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Autoklassiker  Autoklassiker: Ausgrabung

Detroit Zombie



Vor 50 Jahren wurde in Tulsa, Oklahoma, ein nagelneuer Straßenkreuzer vergraben - als konserviertes Zeitdokument. Jetzt wurde der Plymouth Belvedere aus seinem Gefängnis befreit. Doch in der Beton-Grube lauerte das pure Grauen.

 
 Ausgrabung
  
 Ausgrabung  - Foto: Archiv  Ausgrabung - Foto: Archiv  Ausgrabung - Foto: Archiv  Ausgrabung - Foto: Bryan Campbell/Tulsarama  Ausgrabung - Foto: Bryan Campbell/Tulsarama  Ausgrabung - Foto: Bryan Campbell/Tulsarama

Wir schreiben das Jahr 1957. Für viele Amerikaner ist die Welt noch in Ordnung. Die Wirtschaft boomt, die Männer tragen ordentliche Harrschnitte, und die Frauen stehen hinter dem Herd. Die Russen sind böse, und in der Schule lernen die Kinder, dass man sich vor einer Atombombe schützen kann, wenn man sich auf den Boden wirft und die Augen bedeckt.

Tulsa, eine aufstrebende Stadt im Staate Oklahoma, feiert den 50. Geburtstag des Bundesstaates. Die Stadt ist absolut autoverrückt. Nur in Los Angeles gibt es mehr Automobile pro Einwohner als in Tulsa. Da kommen die Stadtväter auf eine ungewöhnliche Idee: Sie vergraben eine Zeitkapsel, die die Menschen ein halbes Jahrhundert später an das Tulsa von 1957 erinnern soll. Der Autohersteller Plymouth stiftet dazu seine modernste Errungenschaft: Ein 57er Belvedere Sport Coupé, cremeweiß und mit breiten goldenen Zierleisten.

Die Einwohner packen dem chromblitzenden Straßenkreuzer, der gerade mal sechs Meilen auf der Uhr hat, zahllose Andenken in seine Betongarage. Eine Stadtgeschichte zum Beispiel, Gebete der lokalen Kirchen, Flaggen, ein Grußwort des Bürgermeisters und ein Sparkonto mit 100 Dollar.

Um die automobile Zeitkapsel perfekt zu machen, steckt man noch eine Frauenhandtasche ins Handschuhfach, komplett mit Haarklammern, einem Päckchen Zigaretten, einem (unbezahlten) Strafzettel wegen Falschparkens und einer Dose Beruhigungspillen. All das ruht vor dem Gerichtsgebäude der Stadt unter einer riesigen Betonplatte – bis zum 15. Juni 2007.

An diesem Tag wird die "Ausgrabung" des Straßenkreuzers wie in Volksfest gefeiert. Jeder Schritt wird live im Fernsehen übertragen, Journalisten und Oldtimer-Fans aus aller Welt sind nach Tulsa gereist. Bürgermeisterin Kathy Taylor, selbst Auto-Närrin und Besitzerin eines 55er Ford Thunderbird, nennt das Event im Fernsehsender KOTV "die beste Werbung, die unsere Stadt bekommen konnte".

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Hoffnung bis zu letzt
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Doch die Minen verfinstern sich, als der Betondeckel geöffnet wird. Der Wagen ist wie ein Paket verschnürt - aber er steht bis zur Hüfte im Wasser. Die Zeitkapsel muss irgendwann in den letzten Jahrzehnten undicht geworden sein. Bevor das Wasser abgepumpt wird, muss die Feuerwehr erst Entwarnung geben, dass sich keine toxischen Substanzen in der braunen Brühe gebildet haben.

Aber noch besteht Hoffnung für das Auto. Es wurde schließlich 1957 mit einem speziellen Rostschutz in Stofftücher und Spezialfolie luftdicht verpackt. Als der Wagen wie eine eingewickelte Mumie durch die Straßen geschleppt wurde, war vielen Zuschauern aber klar, dass sie eigentlich einem Trauerzug beiwohnen.

Und tatsächlich: Als der Wagen in einem feierlichen Akt enthüllt wird, zeigt sich das wahre Ausmaß der Katastrophe. Der Plymouth ist total verrostet, das Interieur vergammelt, viele der Grabbeigaben sind rettungslos verrottet. Aus dem stolzen Stück "Detroit Iron" ist ein "Detroit Zombie" geworden. Immerhin: Einige der Andenken, Bilder und Schriftstücke haben in einem wasserdichten Metallcontainer überlebt.

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Benzin für alle Fälle
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Sicherheitshalber hatten die Bürger von Tulsa dem Belvedere im Jahr 1957 sogar ein paar Kannen Motoröl und zehn Gallonen verbleites Benzin mit in seine Garage gepackt. Denn im ungebremsten Fortschrittsdrang glaubte man damals, dass die heutigen Amerikaner längst mit atomgetriebenen Fahrzeugen über die Highways schweben würden.

In dem Metallcontainer kamen auch allerlei Broschüren über die Bedeutung von Öl und Benzin zum Vorschein. Wer konnte 1957 schon ahnen, dass die Amerikaner ein halbes Jahrhundert später immer noch am Öl-Tropf hängen und Sprit schluckende Blechmonster nach wie vor das Straßenbild prägen würden?

Dass der Belvedere heute ein gesuchter Oldtimer wäre, haben die Stadtväter von damals aber richtig erkannt. "Suddenly it’s 1960" (Und plötzlich ist 1960) lautete der selbstbewusste Werbespruch für den 57er Plymouth. Es war ein wunderschöner, technisch ausgereifter und kraftvoller Luxus-Schlitten. Für ausreichend Vortrieb sorgte im Top-Modell Fury ein 5,2-Liter V8-Motor mit 290 PS.

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Zweite Chance?
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Während der Straßenkreuzer in seiner Beton-Kapsel in den Jahren nach 1957 vor sich hin erst schlummerte und dann gammelte, ging über ihm die Chrom- und Flossen-Ära des amerikanischen Automobilbaus langsam zu Ende. Auch seine Enkel bekam der Ami-Schlitten nie zu Gesicht. In den 70er Jahren stellte Plymouth mit dem Cuda einen der legendärsten "Muscle Cars" auf die Räder. Andererseits blieb dem Belvedere der Anblick tausender Toyotas erspart, die seine amerikanischen Blechbrüder heute vom Markt verdrängen.

Vielleicht war der rostige Tod des stolzen Straßenkreuzers vom Schicksal so vorgesehen. Der Belvedere wäre nämlich ein trauriges Waisenkind geworden: Der Chrysler-Konzern hat seine ehemalige Brot und Butter-Marke Plymouth im Jahr 2001 sang- und klanglos sterben lassen.

Tulsas Bürger haben den Schock über die misslungene Konservierung des berühmten Plymouth übrigens schnell überwunden. "Miss Belvedere" haben sie das Auto mittlerweile getauft.

Die rostige alte Dame ist trotz – oder vielleicht gerade wegen - ihres Zustands ein begehrtes Ausstellungsstück. Und es gibt schließlich noch eine zweite Chance: 1998 haben die Stadtväter von Tulsa einen Plymouth Prowler im Centennial Park beerdigt. Der Sport-Roadster mit Kult-Charakter soll 2048 zum 150. Geburtstag der Stadt wieder ans Tageslicht kommen. Hoffentlich perfekt konserviert und in neuwertigem Zustand.

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Text:  Eine eMail an Sebastian Viehmann schicken Auf Artikel linken
Fotos: Bryan Campbell/Tulsarama

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